Requisite

Der Requisiteur eines Films findet, gestaltet und verwaltet die vielen beweglichen Einzelteile der Motivausstattung, die im Verlauf der Geschichte oft auch als Spielrequisiten eine wichtige Rolle spielen. Seien es die Flaschen, Gläser, Tischlampen und Aschenbecher in einer Nachtclubszene, das Handwerkszeug des Bäckers in der Backstube oder die Utensilien auf dem Schreibtisch eines modernen Großraumbüros. Durch die detailgenaue Einrichtung eines Motivs gestaltet er wesentlich die Authentizität eines Films, indem er den Schauspielern die Requisiten an die Hand gibt, mit denen sie in ihrer künstlichen Alltagswelt spielen.
So wurde beispielsweise in der TV-Serie „Der König von St. Pauli“ noch zusätzlich Müll auf die Straße geworfen, in der gedreht wurde, um ein realitätsnäheres Flair zu vermitteln, nachdem sich Hamburger „Testzuschauer“ über die unrealistische Ordnung und Sauberkeit mokiert hatten.

Darüber hinaus haben die kleinen Dinge des Alltags im Film auch immer einen Symbolcharakter, mit dem auf einfache Weise der Charakter einer Szene oder einer Person definiert wird. So gibt bereits die Einrichtung des Zimmers eines Teenagers durch die Poster an der Wand, die Plüschtiere auf dem Bett und das arrangierte Chaos im ganzen Raum viel mehr Aufschluss über dessen Befindlichkeit als lange, erklärende Dialoge.

Am Ende des Drehs werden die Requisiten an den Verleih zurückgegeben, angefertigte oder gekaufte Requisiten in einem eigenen Fundus aufbewahrt oder verkauft. Manchmal werden die Requisiten auch von den Darstellern gekauft oder sie erhalten sie als Geschenk.Die KostümeDieselbe Authentizität einer Geschichte erschaffen in besonderem Maße auch die Kostüme der Schauspieler. Durch ihre Auswahl und Gestaltung bestimmt der Kostümbildner nicht nur den Stil und die modischen Trends der jeweiligen Zeitepoche eines Films. Er gestaltet gleichzeitig auch den Charakter, die soziale Herkunft und bisweilen auch die geheimen Träume einer jeden Figur. Die Kleidung und Aufmachung eines Schauspielers liefert eine Fülle von unbewussten Informationen für den Zuschauer, mit deren Hilfe er den Charakter einer Person auf Anhieb wahrnehmen und erfassen kann: Kleider machen eben Leute. In diesem ebenso simplen wie wahren Spruch liegt das Geheimnis eines guten Kostümbildners verborgen.

So gibt Colin Farrell („Minority Report“, „Dare Devil“, „Alexander“) in der herzzerreißenden und oscarverdächtigen Liebestragödie „Ask the Dusk“ den Dandy im Los Angeles der 30er Jahre. Sein Look und auch die zeitgemäßen Kleidungen in der Stadt und am Strand versetzen den Zuschauer in die Atmosphäre und in die Umwelt der damaligen Zeit.

Vom Kostümbildner werden oft für einen einzigen Film hunderte von Kostümen geliehen, gekauft oder sogar entworfen und speziell angefertigt. Ihr Fundus für historische Filme sind die nationalen wie internationalen Kostümverleiher. Erfahrene Profis kennen die Spezialgebiete der großen Häuser weltweit und stellen sich manchmal von Rom, Paris über London bis Los Angeles die Kostüme für ihren Film zusammen. Bei zeitgenössischen Filmen ist ihr Fundus die aktuelle Modeszene. Ob Designerboutique oder Trendshop, Kaufhaus oder Versandkatalog, im Secondhandladen oder auf dem Flohmarkt. Überall haben sie ihre Fühler nach passenden Schnäppchen ausgestreckt, mit denen sie den Schauspielern die ihrer Rolle entsprechenden Outfits zusammenstellen.

Alle Kostüme, die nicht aus diesen Quellen geliehen oder gekauft werden können, entwirft der Kostümbildner selbst und lässt sie in Schneidereien anfertigen, die meistens vor Ort am Set sind. In zahlreichen Anproben passt er sie schließlich perfekt an seine Darsteller an. Denn jeder Schauspieler muss sich die Kostüme seiner Rolle aneignen können wie eine zweite Haut. Mit ihnen beginnt seine Figur zu leben. Durch den Umgang mit seinen Kostümen gestaltet der Schauspieler - wie durch seine Mimik und Gestik, seinen Gang und seine kleinen Ticks - den unbewussten und daher wesentlichen Teil seiner Rolle.

So hat Marlene Dietrich, eine der perfektionistischsten Schauspielerinnen der Filmgeschichte, jedes Kostüm ihrer Filmfiguren bis in das kleinste Detail hinein selbst mitgestaltet und überwacht. Einige Kostüme aus durchsichtigem Tüll und strassverzierten Spitzen wurden ihr förmlich auf die Haut genäht. Dadurch gab sie den Charakteren ihrer verschiedenen Rollen nicht nur immer wieder den perfekten Look, sie wurde sogar - wie durch ihre Männeranzüge - zu einer Trendsetterin für einen neuen, selbstbewussten Stil in der Bekleidung von Frauen, der bald darauf durch Modeschöpfer wie Christian Dior und Yves Saint Laurent in den Pariser Haut-Couture-Salons hoffähig gemacht und später durch die Mode einer Jil Sander gleichsam zum Standardoutfit einer neuen, emanzipierten Frauengeneration erhoben wurde.
In Madonna, der weiblichen Pop- und Multimedia- Ikone der 80er- und 90er-Jahre, hat Marlene Dietrich eine würdige Nachfolgerin gefunden. Madonna hat ihre Kunst der öffentlichen Selbst- und damit Trendgestaltung sogar noch weiter perfektioniert. Ihre Auftritte und Musikvideos sind seit über zwanzig Jahren ein bestimmender Pulsschlag in der internationalen Mode- und Stylistenwelt.

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