Filmabschnitt

Zusammen mit dem Drehbuch und den Dreharbeiten ist der Schnitt die wichtigste Phase in der Entstehung eines Films. Hier wird der Film schlussendlich zusammengesetzt und die Beteiligten können noch großen Einfluss auf das Endprodukt, das in den Kinos laufen wird, nehmen. Der Schnittmeister oder Cutter/Editor legt bereits parallel zu den Dreharbeiten das gedrehte Material chronologisch an und hat so für den Regisseur schon kurz nach Drehschluss die erste, grobe Zusammenstellung aller Szenen seines Films vorbereitet, die so genannte Assembly. Daraus komponieren die beiden in der Folge gemeinsam den szenischen und rhythmischen Ablauf des Films in Bild und Ton. Dabei nutzen sie all ihre Möglichkeiten zur Verstärkung der Wirkung einer Szene, zur Erhöhung ihrer Spannung oder der Überraschung für den Zuschauer.

Die Abteilung der Spezialeffekte steuert nach und nach die Szenen des Films bei, die sie mit ihrer Computer- und Modellarbeit geschaffen oder ausgestaltet hat. Der Komponist liefert seine Beispiele für die vorgesehenen Musikstücke und ihre Stile im Verlauf des Films. Der Cutter baut all dies ein und erstellt - heute meist schon ausschließlich am Computer - den Rohschnitt oder Rough Cut, die erste geschnittene und mit vorläufiger Musik unterlegte Fassung des Films. Dieser Rohschnitt wird meist auch den finanziellen Partnern zur Abnahme vorgeführt, die bei dieser Gelegenheit erstmals das Resultat der Dreharbeiten begutachten können.

Um im Studio die gesamte Arbeit der Postproduktion ideal erledigen zu können, wird das 35-mm-Filmmaterial digitalisiert, damit es im Computer bearbeitet werden kann.
Als beispielsweise bei den Dreharbeiten zu „Scorpion King“ in der Wüste eine Fackel brennen sollte, die aber der Wind immer wieder ausblies, löste man das Problem kurzerhand, indem man an die Fackel den Schlauch einer Gasflasche montierte, um ein Feuer auf der Fackel zu haben. Bei der Postproduktion „radierte“ man dann den nicht sehr passenden Schlauch aus dem Filmmaterial heraus und füllte die Radierspuren mit dem passenden Hintergrund.
Am Schluss wird der fertige Film wieder auf 35mm ausbelichtet, um das Masternegativ zu erstellen und zum Kinostart die Filmrollen zu produzieren, die dann an die Lichtspielhäuser ausgeliefert werden.

Anhand des Rohschnitts, der oft zwanzig Minuten länger sein kann als der fertige Film, überprüft der Regisseur mit dem Produzenten die gesamte Komposition des Films sowie den Rhythmus seiner einzelnen Szenen. Dann erstellt der Regisseur seine offizielle Version, den Director‘s Cut.
Diese erste Endfassung wird in speziellen Testvorführungen erprobt. Dies geschieht mit ausgewählten Zuschauern aus seiner Zielgruppe, die hinterher auf einem Fragebogen ihre Meinung zum Film abgeben. Die Daten der Zuschauer sind sehr wichtig. Nicht nur für den Regisseur, um letzte Veränderungen an seinem Film vorzunehmen, sondern auch für den Produzenten und den Filmvertrieb, um die Marketing- und Werbekampagne daraufhin abzustimmen.

Auf dieser Grundlage vollenden Regisseur und Cutter schließlich in Abstimmung mit dem Pro-duzenten die letzte Schnittversion des Films, auch Final Cut oder Producer‘s Cut genannt.
Öfter kommt es vor, dass es verschiedene Cuts gibt. Sinnvoll ist dies vor allem bei Filmen des Horrorgenres. Denn in den unterschiedlichen Kundenzielgruppen gibt es unterschiedliche Geschmäcker: So wird für das Fernsehen weltweit entscheidend sein, eine relativ entschärfte Version produziert zu haben, die um 20.15 Uhr ausstrahlbar ist. Denn zu dieser Sendezeit bringt die Werbung den Sendern am meisten ein und daher kann ein Streifen, der in dieser Zeit zeigbar ist, auch am teuersten verkauft werden. Für die europäischen Länder wird man das Angebot an Blut und Grausamkeit etwas reduzieren, in Amerika hingegen darf der Film ruhig etwas härter sein - und für Japan schließlich können gar nicht genug abgeschlagene Körperteile durchs Bild fliegen und mit Blut sollte man auch nicht sparen.

Die Horrorfangemeinde weltweit schlussendlich möchte natürlich in ihren Vorstellungen immer weiter an die Grenzen getrieben werden, da man ja schließlich schon genügend lebende Leichen und Kettensägenmassaker gesehen hat!
Wenn, wie in diesem Beispiel gerade plastisch (welch passendes Wort) gezeigt, diese unterschiedlichen (Film-)Schnittvarianten, idealerweise mindestens vier, gefertigt werden, lässt sich der maximale wirtschaftliche Erfolg aus einer solchen Produktion herausholen.

Dass es im Film immer wieder neue Ereignisse gibt, die es noch nie zuvor gab, ist eine Regelmäßigkeit in dieser Branche. So ließ der Produzent von „Exorcist - The Beginning (2004)“ den Film gleich zweimal drehen!
Zuerst hatte er den Regisseur Paul Schrader („American Gigolo“, „Cat People“) für 30 Millionen Dollar mit diesem Film beauftragt. Als er allerdings das Ergebnis (erst am Schluss!?) sah, war er so unzufrieden damit, dass er einen zweiten Regisseur suchte, der den Schwerpunkt auf Action und Horror legen sollte. Diese Aufgabe übernahm Renny Harlin („Die Hard 2“, „Cliffhanger“, „Driven“) mit einem Budget von 50 Millionen Dollar! Diese zweite Version kam ins Kino, auf der DVD werden allerdings zum ersten Mal in der Geschichte des Films zwei Fassungen zu sehen sein.
Nun aber zurück zur Technik: Das Recht, über die endgültige Fassung des Films (Final Cut) zu bestimmen, ist ein wesentlicher und oftmals heiß umkämpfter Streitpunkt in den Vertragsverhandlungen mit den Studios und den Verleihern. Wenn vertraglich nicht anders geregelt, müssen sich am Ende alle Partner auf eine einheitliche Fassung des Films einigen, die vom Produzenten autorisiert und freigegeben wird. Erst dann startet der nächste Arbeitsgang: die Mischung.

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