Digitale Revolution

Die digitale Technologie mit ihrem neuen Medium Internet leitet in der gesamten Unterhal-tungsindustrie eine völlige Umstrukturierung von Produktion, Vertrieb und Marketing ein, die gerade erst begonnen hat, aber durch die rasante technische Entwicklung in Siebenmeilenstiefeln voranschreitet. Die tief greifenden Auswirkungen dieser digitalen Revolution erstrecken sich auf fast alle Bereiche des Films und lassen sich anhand einiger markanter Beispiele verdeutlichen.
In der Kameratechnik leitet die Entwicklung der neuen digitalen Filmkameras bereits den viel zitierten „Abschied vom Zelluloid“ ein. Statt der klassischen Filmkamera, die nach den Gesetzen der Fotografie 24 Bilder pro Sekunde auf einer Filmrolle aus Zelluloid belichtet, die später im Filmkopierwerk in einem aufwendigen chemischen Prozess entwickelt und kopiert werden muss, zeichnet die digitale Kamera jedes Bild elektronisch auf, indem sie es in digitale Informationseinheiten umwandelt, die auf elektronischen Datenträgern wie Kassetten oder CD-ROMs gespeichert werden. Dadurch sind diese Bilder ohne weitere chemische Bearbeitung sofort und jederzeit abrufbar, ja sie können sogar direkt per Computer in die ganze Welt verschickt werden.
Neben dem Wegfall enormer Kosten für das Filmmaterial und die Bearbeitung im Kopierwerk erspart die digitale Aufzeichnung auch bei der weiteren Herstellung des Films sehr viel Zeit und Geld. So schneidet und klebt der Schnittmeister oder Cutter in der Nachbearbeitung den Film nicht länger mühsam aus Dutzenden von Filmrollen an seinem Schneidetisch zusammen, sondern per Mausklick an seinem Computer, auf dessen Festplatte das gesamte Material des Films gespeichert ist.
Bereits heute ist es so, dass die Filmrolle in der Nachbearbeitung, der Postproduktion, in digitale Bilder umgewandelt wird, damit schneller und leichter bearbeitet werden kann. Der danach fertig bearbeitete Film wird dann wiederum auf Zelluloid gebracht, da nur dieses im Moment noch weltweit flächendeckend genutzt werden kann!
Im Bereich des Vertriebs steht mit der Entwicklung der digitalen Kinovorführung die größte Veränderung bevor, da sie langfristig gesehen eine technische Umrüstung aller Kinos weltweit erfordert. An die Stelle des klassischen Filmverleihs mit seinen Tausenden von Kopien, die zu immensen Kosten von zirka 1.200 Euro je Filmrolle hergestellt und in alle Welt verschickt werden müssen, tritt der zukünftige, digitale Filmverleih, der Film per Satellit oder sogar Internet direkt in jedes Kino übertragen wird. Die ersten Kinoketten in Amerika und Europa sind schon auf diese neue Form der digitalen Satellitenübertragung von Filmen eingerichtet. Und die Hollywood-Studios arbeiten bereits mit der Firma Microsoft an der Übertragung ihrer Filme via Internet. Parallel dazu erstellen sie im Web eine eigene, völlig neu geartete Vertriebsplattform, bei der in Zukunft die Filme nicht nur per Knopfdruck in alle Kinos verschickt werden können, sondern sogar an jeden festen wie mobilen Internetanschluss weltweit.

Genau diese Einfachheit der Verfügbarkeit motiviert leider auch die Raubkopierer, die immer schneller Zugriff auf neue Filmproduktionen haben. Die Verluste sind im Filmmarkt noch nicht so groß wie im Musikbereich, und die Filmproduzenten handeln sehr schnell, in Deutschland etwa mit den provokanten „Raubkopierer sind Verbrecher”-Plakaten.
In Amerika wird die Öffentlichkeit mit einem 30-Millionen-Dollar-Etat darüber aufgeklärt, dass Raubkopien nicht nur den sowieso zuviel Geld verdienenden Studiobossen schaden, sondern auch die Arbeitsplätze der normalen Angestellten gefährden. Die Studios müssen für ihre großen Organisationsstrukturen Fixkosten zwischen 50 und 150 Millionen Dollar im Jahr tragen.
Die Folgen all dieser radikalen Veränderungen in der Filmindustrie sind gegenwärtig noch gar nicht abzuschätzen. Eine generelle Tendenz lässt sich jedoch aus den Entwicklungen der letzten Jahre bereits ersehen: Die Digitale Revolution entwickelt sich immer mehr zum bestimmenden Faktor hinter den Kulissen der Marktentwicklung in der gesamten Film- und Medienindustrie.

Werbung