Koproduktionen

Neben dem Vorverkauf über den Weltvertrieb hat der Produzent seines Films auch die Möglichkeit, zur Finanzierung weitere Partner im Rahmen einer Koproduktion bereits in die Herstellung des Films mit einzubinden. Das bietet sich an, wenn sie entweder einen Teil der Finanzierung beisteuern - zum Beispiel wenn auch noch staatliche Fördergelder zur Verfügung stehen, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt ausgegeben werden müssen oder ein großes Product Placement stattfindet und der Konzern ein Drittel der Produktionskosten des Films übernimmt oder auch mal ein privater Investor sich im Filmgenre „versuchen möchte“.

Dies mindert das wirtschaftliche Risiko des Produzenten oder entlastet ihn zeitlich und personell, wenn eine wesentliche Teilaufgabe bei der Herstellung des Films übernommen wird. Dies betrifft vor allem Filme, die aufgrund ihrer Geschichte in verschiedenen Ländern gedreht werden können oder müssen.

Allein die Entscheidung des Produzenten, seinen Film in Neuseeland oder Spanien statt in den USA zu drehen, beschert dem jeweiligen Land eine Investition von mehreren Millionen Dollar, die innerhalb weniger Monate wie aus dem Füllhorn über die nationale Filmindustrie und ihre Infrastruktur ausgeschüttet werden. Dafür zeigen sich heute immer mehr Länder im Rahmen von Wirtschafts- und Filmförderungsprogrammen erkenntlich, die den Produzenten eine Unterstützung in Höhe von 10 bis zu 50 Prozent der in ihrem Land ausgegebenen Produktionskosten offerieren. In den meisten Fällen erfordert dies die Einschaltung eines nationalen Koproduktionspartners oder zumindest eines Dienstleisters vor Ort, der mit den Gegebenheiten des Landes vertraut ist und für den Produzenten die Durchführung der Dreharbeiten in seinem Land organisiert. Die Landesförderungen werde ich im nachfolgenden Kapitel beleuchten.

Für den Produzenten ist es wichtig, bei einer Koproduktion zusammen mit seinem Regisseur und seinem Herstellungsleiter die verschiedenen Angebote der Partner nicht nur auf ihre finanziellen, sondern insbesondere auch auf ihre ästhetischen wie organisatorischen Gesichts-punkte hin genau zu überprüfen. Denn es hilft ihm nichts, wenn die finanziellen Vorteile billiger Arbeitslöhne und großzügiger Förderungen eines Landes von dem Aufwand wieder aufgefressen werden, den es kostet, die Spezialistencrew samt seiner Stars dorthin zu befördern und angemessen zu versorgen.

Manche Stars sind nicht bereit, aufgrund des Klimas, der Entfernung zur Familie oder angebotenen Vergnügungsmöglichkeiten (z.B. anstatt Los Angeles nun zwei Monate im bäuerlichen Bereich in Rumänien) einen Dreh am geplanten Ort durchzuführen.

Auch sind die Arbeitsweisen und Produktionsgepflogenheiten dieser Länder mitunter so verschieden, dass sie im Laufe einer einzigen Filmproduktion nicht ausreichend aufeinander abzustimmen sind und dadurch zu erheblichen Zeitverzögerungen während der Dreharbeiten führen können. All diese Aspekte muss der Produzent sorgfältig abwägen, bevor er sich zu einem Dreh in diesem Land entschließt. Dazu hilft ihm ein reger Erfahrungsaustausch mit Kollegen, die in dem jeweiligen Land bereits produziert haben und manchmal sogar einen Partner vor Ort empfehlen können.

Darüber hinaus muss bei gemeinschaftlicher Arbeit zwischen zwei Produzenten natürlich auch berücksichtigt werden, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind. Und wenn einer der Partner gerne einen tragischen, aber dennoch eleganten Abgang des Hauptbösewichtes durch einen Absturz aus dem 13. Stock eines Hochhauses präferiert, der andere allerdings das stille Abtauchen ins Nirwana durch den jahrtausendelang bewährten Giftcocktail, sind Streitigkeiten vorprogrammiert. Um diese ein wenig einzudämmen, gibt es immer ein vertragliches Letztentscheidungsrecht, sodass auch auf dem Papier geregelt ist, wer schlussendlich im Diskussionsfalle Recht hat.

Mit der zunehmenden Vernetzung der globalen Filmindustrie im Verlauf der letzten zwanzig Jahre sind diese Koproduktionen fast schon zum Standardrepertoire eines jeden Produzenten geworden. Angesichts der stetig steigenden Produktionskosten schließen sich immer mehr Filmgesellschaften, aber auch die Studios zu Koproduktionen zusammen. So minimieren sie ihr finanzielles Risiko und beteiligen sich gegenseitig am Erlös ihrer Filme. Heute gibt es kaum noch große Produktionen, die ein Studio oder ein Produzent alleine stemmt. Es sei denn, es handelt sich um einen sicheren Geldbringer wie etwa „Mission Impossible“ (Paramount) „James Bond“ (MGM, jetzt Sony) oder „Harry Potter“ (Warner).

Werbung