Entwicklung des internationalen Marktes - Teil 2

Das hatte sich sicherlich auch einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten und Filmrechtehändler, Dr. Herbert Kloiber, gedacht, der seit Jahrzehnten in seiner Tele München Gruppe Filme produziert und einkauft, eine wesentliche Beteiligung an RTL II hält und nun auch Tele 5 wieder von Kirch zurückgekauft hatte. Mit der Übernahme der Kinokette von Cinemaxx schafft sich Dr. Kloiber seine eigene komplette Verwertungskette im deutschsprachigen Bereich.

Aber zurück zu den Studios: Das berühmte Universal Pictures Studio wanderte im Verlauf der 90er-Jahre gleich dreimal durch die Hände ausländischer Unternehmen: vom japanischen Mischkonzern Matsushita über den kanadischen Spirituosengiganten Seagrams bis hin zum französischen Großkonzern Vivendi, der heute die Geschicke des Studios leitet.

In dieser Dekade versorgten auch aus Deutschland zunächst die reich gewordenen Privatsender und dann die verschiedenen Filmhändler des Neuen Marktes im eifrigen Wettstreit miteinander Hollywood mit insgesamt zweistelligen Milliardenbeträgen, um sich durch völlig überhöhte Preisangebote die Rechte an den begehrten Film- und Fernsehprojekten möglichst schon im Vorfeld ihrer Produktion zu sichern. Diese Entwicklung ermöglichte den Produzenten wie den Studios in Hollywood ihr Überleben - trotz ihres ungeheuren Personalaufwands und der explosionsartig steigenden Budgets ihrer Filme, die sich samt Stargagen auf mittlerweile deutlich über 100 Millionen Dollar je Produktion belaufen können.

Den Spitzenplatz nimmt im Moment Wolfgang Petersens „Troja“ mit einem Budget von knapp über 200 Millionen Dollar ein! Allerdings wird dieses Budget vom nächsten Harry Potter „Der Feuerkelch“ - gerüchteweise zirka 280 Millionen Dollar - getoppt. Auch die Drehzeit ist mit einem Jahr von Mai 2004 bis April 2005 wohl neuer Rekord.
Jedes Jahr werden aber auch einige Filme produziert, die einen großen Überraschungserfolg bringen: so zum Beispiel „The Passion of the Christ“, der lediglich 30 Millionen Dollar kostete und Mel Gibson einen Gewinn von etwa 500 Millionen Dollar einbringen wird. Dieser Film, den kein Studio vertreiben wollte, wurde in Hebräisch und Lateinisch gedreht. Der Film „My big fat greek Wedding“ mit Produktionskosten von 5 Millionen Dollar brachte einen weltweiten Ertrag von über 100 Millionen Dollar! Nur im Filmgeschäft ist es möglich, trotz der vorhandenen Schwierigkeiten und Risiken diese Chancen zu bekommen.

Mit der Jahrtausendwende vollzog sich in Hollywood ein neuer, revolutionärer Schritt in der globalen Medienindustrie, der von einigen Fachleuten sogar als der Übergang in eine neue Epoche der digitalen Kommunikationsindustrie betrachtet wird.
Der weltweit einflussreichste Entertainmentkonzern Time Warner mit seinen Warner Brothers Studios, seiner Familie von Fernsehsendern wie CNN, WB 5 und TNT, seinem riesigen Verlagsimperium des Time-Life-Konzerns und dem weltweiten Warner Music Label, wurde mehrheitlich von einer relativ jungen Firma übernommen, dem weltweit größten Internetanbieter AOL. Dieses Unternehmen betreute bereits nach wenigen Jahren seines Bestehens mit einem Minimum an Personalaufwand tagtäglich über 27 Millionen Kunden auf der ganzen Welt und kann sie jederzeit persönlich ansprechen, da es bis in deren Haus oder Büro hinein direkt mit ihnen vernetzt ist. Und zwar mithilfe einer neuen digitalen Technologie, die es ihren Kunden mittlerweile sogar ermöglicht, ganze Kinofilme oder Musikstücke auf dem persönlichen Computer zu empfangen und sich nach Belieben auf eine eigene CD zu brennen. Der Wunschtraum eines jeden Unternehmers, seinen Kunden die Produkte gleichsam per Knopfdruck zeitgleich, weltweit und direkt ins Haus liefern zu können - allein durch die Wunder der Technik, ohne aufwendige Vervielfältigung und kostenintensiven Vertrieb -, ist damit für die Studiobosse und ihre Verlags- oder Fernsehchefs plötzlich in greifbare Nähe gerückt.

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