Stoffrechte

Vor Beginn der Drehbuchentwicklung, wie auch in ihrem weiteren Verlauf, erwirbt der Produzent sämtliche Stoffrechte an der Geschichte seines Films. Dies kann ein dem Film zugrunde liegen-der Erfolgsroman sein wie etwa „Doktor Schiwago“ oder „Der Herr der Ringe“, ein Videospiel oder auch die Rechte an einem so genannten Sequel, der nächsten Episode einer erfolgreichen Filmgeschichte, etwa für Serien wie „Star Wars“, „Terminator“ oder „James Bond“. Bei derart erfolgreichen Vorlagen kann allein der Preis für die Verfilmungsrechte bis auf zweistellige Milli-onenbeträge klettern. Juristisch sichert sich der Produzent alle Rechte im Rahmen einer „Chain of Title“, um damit sicherzustellen, dass sowohl die Stoffrechte als auch sämtliche Drehbuch-entwicklungen sowie die letzte Fassung vom Drehbuch und die für die jeweiligen Änderungen verantwortlichen Personen registriert sind.

In vielen Fällen basiert die Vorlage zu einem Film auf realen Ereignissen oder der Lebensgeschichte einer Person, wie dies bei dem überraschenden Erfolgshit „Monster“ der Fall ist, der das Leben der ersten in Amerika hingerichteten Serienmörderin Aileen Carol Wuornos mit Charlize Theron in der Hauptrolle erzählt. Hier musste sich die Regisseurin Patty Jenkins vor allem auch sämtliche Neben- oder Persönlichkeitsrechte im Umfeld der Geschichte sichern, um damit eventuelle Beschwerden, Klagen oder Ansprüche von Erben der im Herbst 2002 hingerichteten Aileen bereits im Vorfeld auszuschließen.

Die Verfilmungsrechte erhielt Patty übrigens erst von Aileen, nachdem diese sich vergewissert hatte, dass ihr Leben auch so verfilmt wird, wie es der harten Realität entsprach, ohne den manchmal vorhandenen Weichzeichner Hollywoods.
Handelt es sich bei der Geschichte des Films um ein Originaldrehbuch des Autors, so erwirbt der Produzent von diesem mit einem Drehbuchvertrag die Rechte zur Verfilmung des Werkes.

In den meisten Ländern mit entwickelter Filmindustrie regeln mittlerweile Tarifverträge mit den jeweiligen Autorengewerkschaften einen Mindestbetrag, den jeder Produzent dem Autor für die Erstellung eines Drehbuchs bezahlen muss. Je nach Land liegen diese Beträge zwischen 20.000 und 60.000 Euro, doch sie gelten meist nur für die Neueinsteiger unter den Autoren. Mit dem ersten verkauften Drehbuch entwickelt sich für jeden Autor ein eigener Marktwert, der im Gradmesser seiner künstlerischen wie kommerziellen Erfolge auf- und absteigt. Je spektakulärer die neue Idee eines Autors ist und je bekannter seine bisherigen Werke, desto besser können die Agenten mit dem neuen Drehbuch ihres Klienten einen so genannten „Bidding War“ veranstalten, eine Art Auktion des Buches unter den interessierten Studios und Produzenten.

Dabei wird das neue Drehbuch eines Autors erstmals und zeitgleich an einem Donnerstag mit einer Minimumforderung an alle interessierten Produzenten verschickt, mit der Bedingung, bis zum darauf folgenden Dienstag ein letztes Angebot vorzulegen. An diesen Wochenenden herrscht dann statt der verdienten Sonntagsruhe hektische Betriebsamkeit bei allen beteiligten Studiochefs und Produzenten, die sich nach der Lektüre und Bewertung des Drehbuchs in einem taktischen Bieterwettbewerb mit verschiedenen Angeboten an den Autor gegenseitig auszustechen versuchen. So entsteht der „Bidding War“, der allerdings nur selten im Jahr entflammt, da nur wenige Drehbücher die offensichtliche Qualität besitzen, dass sich die Studios darum schlagen.

Der Preis für ein Drehbuch kann sich so binnen weniger Tage vervielfachen und mittlerweile bis auf drei Millionen Euro ansteigen. Oft ködern die Studios oder Produzenten sogar einen Erfolg versprechenden Autor mit „Multiple Picture Deals“, bei denen sie dem Autor über das vorliegende Buch hinaus eine Art Vertrauensscheck in Form einer Minimumgarantie für seine nachfolgenden zwei bis drei Bücher geben, die noch gar nicht geschrieben sind. Auf diese Weise versuchen Filmproduzenten und Studios, aussichtsreiche Talente unter den Autoren langfristig an ihr Unternehmen zu binden.
Für einen „First Look Deal“, also einer Option auf die nächsten Drehbücher oder Projekte eines Autors oder Regisseurs, zahlen Studios Summen bis zu 3 Millionen Dollar.

Am Ende dieser Verhandlungen einigen sich Produzent oder Studio mit dem Drehbuchautor auf einen Gesamtpreis für die Stoffrechte und die Erstellung des Drehbuchs inklusive einer ein- bis zweimaligen Überarbeitung sowie auf die Höhe der Gewinnbeteiligung des Autors am Einspielergebnis des Films. Falls im Verlauf des Entwicklungsprozesses weitere Autoren hinzukommen, die am Drehbuch mitarbeiten, sichert sich der Produzent auch deren Rechte durch entsprechende Verträge.

Roland Emmerich hat für sich einen sehr eigenen Weg der Vermarktung seiner Drehbücher und seiner Projekte eingeschlagen. Er schickt sein jeweils aktuelles Projekt einigen von ihm ausgewählten Studios und gibt ihnen eine Woche Zeit, auf seine konkreten Vorstellungen einzugehen. Da er eine ungeheure Erfolgsgeschichte aufzuweisen hat, die von „Independance Day“ über „The Patriot“ bis hin zu „The Day after Tomorrow“ reicht, gelingt es ihm immer, seine Forderungen durchzusetzen.
All diese Verträge über die gesamten Stoffrechte am Drehbuch seines Films, die „Chain of Titles“, muss der Produzent später bei der Finanzierung vorweisen, denn nur durch die Vorlage der gesamten Rechtekette können die Finanzierungspartner sicher sein, dass die späteren Rückflüsse durch den Filmvertrieb auch den Produzenten direkt zufließen und nicht von Personen beansprucht werden können, die über Rechte an dem Film verfügen. Zunächst beginnt er jedoch parallel mit der Zusammenstellung der wichtigsten Mitarbeiter an seinem Film.

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