Produzent

Der Produzent erspürt die Trends des zukünftigen Zeitgeschehens und wählt die hierfür geeigneten Projekte aus, die im Schnitt ein bis drei Jahre und mehr (manchmal sogar erst zehn Jahre) nach ihrer Geburt als Filme in die Kinos kommen. Er vergibt die Drehbuchaufträge und schließt die Verträge mit den Stars und Regisseuren. Er organisiert, betreut und überwacht die gesamte Entstehung eines Films, von der Idee bis zum Vertrieb, und trägt dafür nicht nur die Verantwortung, sondern meist auch das finanzielle Risiko. Darum hat der Produzent in allen wichtigen Fragen der Entstehung eines Films auch die letzte Entscheidung.

Die Vergütung für den Produzenten beträgt in der Regel 10 Prozent der Produktionskosten. Bei sehr hohen Budgets (über 50 Millionen Dollar) kann dies niedriger sein, bei kleineren Budgets (bis 10 Millionen Dollar) größer. Studios verlangen zu den tatsächlichen Producer Fees zusätzliche Overhead Fees zwischen 2 und 5 Prozent, um ihre Bühnen, Sets und ihr Personal auszulasten und quasi an die Produktion zu vermieten.

Das Publikum kennt meist nur die illusteren Namen großer Produzentenfiguren wie Bernd Eichinger in Deutschland, Carlo Ponti in Italien oder David O. Selznick in Amerika - den legendären Produzenten von „King Kong“ und „Vom Winde verweht“. Die Gründer der Hollywood-Studios wie Warner Brothers, MGM oder RKO waren selbst entweder Produzenten oder clevere Unternehmer, die einen ganzen Stab von Produzenten unter sich versammelten. Die produzierten für sie jedes Jahr ein ganzes Programm an Filmen aus allen Genres, ob Kriminalfilm, Western, Musical oder Gesellschaftsdrama, in denen die Stars des Studios glänzen konnten.

So entstand eine riesige Industrie der Phantasie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kalifornischen Wüste aus dem Boden gestampft wurde. Sie zog nicht nur die besten Theaterstars vom Broadway nach Hollywood, sondern bald auch - und bis heute - die größten Künstler der Welt in allen Sparten des Films. Einen hervorragenden und launigen Abriss der Entstehung Hollywoods in den 20er-Jahren gibt übrigens Harold Robbins in seinem Buch „Die Unersättlichen“. Neben seinem kaufmännischen Geschick sowie seiner Intuition und Erfahrung in der Auswahl der Filme benötigt der Produzent vor allem eine gute Hand und viel psychologisches Feingefühl im Umgang mit den vielen kreativen Einzelpersönlichkeiten seines Filmteams: vom Regisseur und seinen Stars bis zu den Produktionsassistenten und Fahrern, die jeden Drehtag erst ermöglichen und für dessen reibungslosen Ablauf ebenso mitverantwortlich sind. Sie alle müssen vom Produzenten und seinem Team immer wieder bestätigt oder kritisiert, vor allem aber immer wieder zu neuen Höchstleistungen für die gemeinsame Sache motiviert werden.

Der engste Mitarbeiterstab des Produzenten besteht meist neben seiner Assistenz und seinem Sekretariat aus einem Herstellungsleiter oder Line Producer, der die konkreten Produktionsabläufe organisiert und überwacht, einem Finanzchef, der die Unternehmens- und Produktionskosten der einzelnen Filme sowie deren Erlöse kontrolliert, und einem Chefdramaturgen oder Head of Development, der die gesamte Buchentwicklung und das Lektorat der eingehenden Drehbücher betreut. Für größere Filmproduktionen oder Filmstudios, die jedes Jahr zwischen fünf und fünfunddreißig Filme produzieren und auf den Markt bringen, lohnt sich die Einrichtung einer hausinternen Rechtsabteilung, die die zahlreichen Verträge jeder einzelnen Filmproduktion erstellt und deren Einhaltung überwacht, sowie einer eigenen Vertriebsabteilung, die den weltweiten Verkauf der Filme insbesondere auf Messen und Filmfestspielen übernimmt. Kleinere Produktionsgesellschaften holen sich hierfür externen Rechtsbeistand und verpflichten zum Verkauf ihrer Filme einen darauf spezialisierten Weltvertrieb.

Zum Produzenten wird man nicht geboren, zum Produzenten wächst man heran. Viele Schauspieler, die sich oft geärgert haben, wie unprofessionell an eine Produktion herangegangen wird, oder die sich ganz einfach fragen „Warum da nicht auch noch mitverdienen?“ sind auf einmal selbst Produzenten. Manchmal hat es aber auch ganz einfach die Ursache, dass das Budget nicht die volle Gage beinhalten kann, und so die Schauspieler als Koproduzent einen Teil der Erlöse erhalten.

Auch Mick Jagger versucht sich beispielsweise momentan als Produzent an einem sehr interessanten Drehbuch über Frauen, wobei in dem geplanten Film die Frauen eine deutlich andere Rolle spielen, als man aufgrund von Mick Jaggers Vorleben erwarten würde! Es ist ihm zu wünschen, dass er auch in diesem Business so erfolgreich ist, wie über Jahrzehnte in der Musik!

Produzenten-„Typen“ gibt es verschiedene: etwa den bereits oben genannten Line Producer, den Executive Producer, den Associate Producer und neben dem Coproducer selbstverständlich auch den vielfach zitierten „normalen“ Producer.

Was es mit den unterschiedlichen Titeln auf sich hat, warum es so viele gibt, und welche Bedeutung und Funktion den Einzelnen zukommt, erkläre ich im Kapitel 4.2.8. „Die Produktionsvorbereitung“.

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